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Living and Leaving 1: Staying Alive

April 5th, 2013

Staying Alive

by Rickie Moore, PhD

+++++German translation follows English text +++++

One moment I was ageing gracefully – a healthy, happy, passionate woman with a purpose.

Then, for some unknown reason I wrote my family that my seventy-fifth birthday was approaching and I thought my body might like to be acknowledged for holding up so well.

Six months later I was a one-eyed, nearly deaf cripple with a new hip and a broken back who feared she would never walk again – at least not without help and pain.

I’ve had a dilemma around my birthday for years. I celebrated, but avoided paying attention to the number of years my body’s been around.

That’s because I know I’m not my body!

Some people thought I was just denying my age. It’s okay. There’s truth to that. I have lied about it a time or two. But ever since I learned how the brain influences the body, I stopped seeing myself according to the date on my birth certificate. I dropped the numbers and visualized myself ageless. My brain had no reference to chronological age, so my body looked young and healthy.

We’re not just as young as we feel; we’re as young as our brains think we are.

So when I began to think “I” was seventy-five, forgetting that I AM not my body, things began to happen: a series of falls, some broken bones, a hole in my retina and two unsuccessful operations to save the sight in my left eye. Without exercise or yoga after those surgeries my muscles turned to jelly, and osteoporosis turned my bones to fragile sticks. I fell, broke my hip and fractured my back. The hip was pinned, but after five weeks I needed to be re-operated and given a totally new hip.

Four major operations in five months took their toll.

Despite being saturated with love and support from family and friends — hundreds of cards, e-mails, candles and prayers — I was scared and depressed.

One gloomy night in the hospital — hurting, longing to see my children and grandchildren, nauseated, wearing a diaper, struggling for breath, unable to walk, wildly itching from a rash, isolated from my roommates because I couldn’t hear — I realized that my life as I conceived it…was over. My spirit was crushed. I’d lost my health, my passion, and my purpose.

Pain is an enchantress. A muse. She came to me that awful night when my mind was blank. No thoughts blocked pure consciousness and I heard: “You’ve come to earth for a purpose. You’ve served your purpose. Now you can relax and go home.”

The message came in! A wave of relief washed over me: if the pain and suffering becomes unbearable – I can leave. Knowing I had the power to let go when I chose, gave me the will to live.

When my beloved Henry arrived the next day and I told him the message, “You’ve served your purpose, now you can relax and go home,” he smiled and said, “Perhaps it means you can go home to Brouwersgracht.”

When I finally came home from the hospital, I slept in a rented hospital bed, aching for physical closeness, the snuggling and intimacy that had been so much a part of our blessed connection.

Total joy came when we could lie together and connect sexually. When I had my first orgasm after many months, I experienced the difference between just staying alive and really living.

My perspective completely changed! I could appreciate the many reasons I have to live.

My old calling came back: I still need to be of service and still need to be needed. I started to see clients and patients again…and being able to work via telephone and Skype inspires me.

A new calling came to me: helping people overcome the fear of dying and the denial of death, teaching the philosophy of living … and leaving. We have a choice: we do not need to endure intolerable pain and suffering. We can control our final hours. We can choose to die with grace. Longevity is fine, but not at the loss of dignity. My life has been full…beautiful. I do not want an ugly ending.

Now, though I’m fighting pain with pills and have lost my autonomy (I am Henry’s fulltime job), we are happily soaking up the best of each day. We sing, chant mantras, exercise, meditate, cook a lot to fatten me up, enjoy visits with family and friends, and stay grateful for everything we can think of.

I know that my body is temporary. And when this body has had it, I hope to say goodbye with a rite of passage, a lovely, peaceful, spiritually uplifting ritual with my beloved partner, family and friends.

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Weiter leben

von Rickie Moore, PhD

aus dem Amerikanischen von Sabine Misczychowski

Einen Moment lang war ich dabei würdevoll zu altern – eine gesunde, glückliche, leidenschaftliche Frau mit einer Berufung.

Dann, aus unerfindlichen Gründen, schrieb ich meiner Familie, dass mein 75. Geburtstag nahte und ich dachte, mein Körper würde vielleicht gerne Anerkennung dafür bekommen, dass er sich so gut gehalten hatte.

Sechs Monate später war ich ein einäugiger, fast tauber Krüppel mit einer neuen Hüfte und einem gebrochenen Rücken, der befürchtete nie wieder gehen zu können – zumindest nicht ohne Hilfe und Schmerzen.

Seit Jahren steckte ich wegen meinem Geburtstag in einem Dilemma. Ich feierte, vermied es aber der Anzahl der Lebensjahre, die mein Körper da gewesen ist, Aufmerksamkeit zu geben.

Weil ich weiß, dass ich nicht mein Körper bin!

Einige Leute dachten, ich wollte nur mein Alter leugnen. Das ist okay. Da ist etwas Wahres dran. Ich habe ein oder zwei Mal deswegen gelogen. Aber seitdem ich gelernt hatte, wie das Gehirn den Körper beeinflusst, hörte ich auf, mich gemäß dem Datum auf meiner Geburtsurkunde zu sehen. Ich ließ die Zahlen los und betrachtete mich als alterslos. Mein Gehirn hatte keinen Bezug zu dem chronologischen Alter, so dass mein Körper jung und gesund aussah.

Wir sind nicht nur so jung wie wir uns fühlen, wir sind so jung wie unser Gehirn es sich denkt.

Als ich anfing zu denken, „ICH“ war fünfundsiebzig und vergass, dass ICH nicht mein Körper BIN, begannen Dinge zu passieren: eine Reihe von Stürzen, einige Knochenbrüche, ein Loch in meiner Netzhaut und zwei erfolglose Operationen, um die Sehfähigkeit meines linken Auges zu retten. Ohne Körperübungen oder Yoga verwandelten sich meine Muskeln nach diesen Operationen zu Wackelpudding und Osteoporose machte aus meinen Knochen zerbrechliche Stöcke. Ich fiel, brach meinen Oberschenkelhalsknochen und den Rücken. Der Knochen wurde verschraubt, aber nach fünf Wochen musste ich erneut operiert werden und bekam ein vollständiges Implantat.

Vier große Operationen in fünf Monaten forderten ihren Tribut.

Obwohl ich mit Liebe und Unterstützung von Familie und Freunden überhäuft wurde – Hunderte von Karten, E-Mails, Kerzen und Gebete – hatte ich Angst und war deprimiert.

In einer düsteren Nacht im Krankenhaus – mit Schmerzen, Sehnsucht nach meinen Kindern und Enkeln, mit Übelkeit, eine Windel tragend, nach Atem ringend, unfähig zu gehen, mit starkem Juckreiz von einem Hautausschlag, von meinen Zimmergenossen isoliert, weil ich nichts hören konnte – erkannte ich, dass mein Leben, wie ich es mir ersonnen hatte … vorbei war. Mein Geist war am Boden zerstört. Ich hatte meine Gesundheit verloren, meine Leidenschaft und meinen Lebenssinn.

Schmerz ist eine Zauberin. Eine Muse. Sie kam in dieser schrecklichen Nacht zu mir als mein Geist leer war. Keine Gedanken blockierten das reine Bewusstsein, und ich hörte: “Du bist mit einer Bestimmung auf die Erde gekommen. Du hast deine Bestimmung erfüllt. Jetzt kannst du dich entspannen und nach Hause gehen.”

Die Botschaft kam an! Eine Welle der Erleichterung kam über mich: Wenn der Schmerz und das Leiden unerträglich werden – kann ich gehen. Zu wissen, dass ich die Macht hatte loszulassen, wenn ich wollte, gab mir den Willen zu leben.

Als mein geliebter Henry am nächsten Tag kam und ich ihm die Botschaft mitteilte: “Du hast deine Bestimmung erfüllt, jetzt kannst du dich entspannen und nach Hause gehen”, lächelte er und sagte: “Vielleicht bedeutet es, dass du nach Hause gehen kannst, zur Brouwersgracht.”

Als ich endlich aus dem Krankenhaus nach Hause kam, schlief ich in einem gemieteten Krankenhausbett, ich sehnte mich nach körperlicher Nähe, nach dem Kuscheln und der Intimität, die so sehr ein Teil unserer vom Glück verwöhnten Beziehung gewesen ist.

Die Freude war vollkommen, als wir zusammen liegen und uns sexuell verbinden konnten. Als ich nach vielen Monaten meinen ersten Orgasmus hatte, erlebte ich was für ein Unterschied es ist nur am Leben zu bleiben oder wirklich zu leben.

Meine Perspektive änderte sich völlig! Ich konnte die vielen Gründe würdigen, warum ich leben muss.

Meine alte Berufung kam zurück: Ich brauche es noch nützlich zu sein und ich brauche es noch gebraucht zu werden. Ich fing wieder an, mit Klienten und Patienten zu arbeiten … und die Möglichkeit per Telefon und Skype zu arbeiten inspiriert mich.

Eine neue Berufung kam zu mir: Menschen zu helfen ihre Angst vor dem Sterben und die Verleugnung des Todes zu überwinden, die Philosophie des Lebens … und des Sterbens zu lehren. Wir haben eine Wahl: Wir müssen unerträgliche Schmerzen und Leid nicht ertragen. Wir können auf unsere letzten Stunden Einfluss nehmen. Wir können wählen in Würde zu sterben. Langlebigkeit ist gut, aber nicht, wenn es bedeutet die Würde zu verlieren. Ich hatte ein volles Leben … wunderschön. Ich will kein hässliches Ende.

Jetzt, obwohl ich die Schmerzen mit Tabletten bekämpfe und meine Selbständigkeit verloren habe (ich bin Henrys Vollzeitjob), sind wir glücklich aus jedem Tag das Beste zu holen. Wir singen, chanten Mantras, machen Körperübungen, meditieren, kochen viel damit ich etwas mehr Speck ansetze, genießen die Besuche von Familie und Freunden und bleiben dankbar für alles, was wir ersinnen können.

Ich weiß, dass mein Körper zeitlich begrenzt ist. Und wenn dieser Körper ausgedient hat, hoffe ich, mit einem Übergangsritual Abschied nehmen zu können, ein schönes, friedliches, spirituell erhebendes Ritual mit meinem geliebten Partner, Familie und Freunden.